Rezension Oliver Janich, „Die vereinigten Staaten von Europa“, Finanzbuchverlag München 2014

In Bezug auf das Projekt der vereinigten Staaten von Europa bin ich skeptisch. Deshalb hat es meine Neugierde geweckt, was wohl Oliver Janich schreiben würde.  Leider muss ich sagen, dass mich dieses Buch mehr als enttäuscht hat. Wenn zwar tatsächlich auch ich eine verdeckte ideologische Nähe des Nationalsozialismus zu der Europaideologie der im Parlament vertretenen Parteien sehe (ausführliche Begründung siehe hier: (http://www.weltundzeit.de/?p=164), die mittelbar die nationalen Eigenheiten als zu überwindenden Stolpersteine auf dem Weg hin zur europäischen Einheit sehen, so halte ich es doch für vollkommenen, durch nichts zu belegenden Unsinn, eine direkte Verknüpfung zu behaupten.

Janich legt durch seine Recherchen nahe, dass die Nazis nach dem Zusammenbruch des Regimes weitergewirkt hätten, um das Projekt der europäischen Einigung zu verfolgen. Jeder der mit einigermassen wachen Augen durch die Welt läuft, müsste nämlich erkennen, dass die Ideologie der Nazis nun wirklich gar nichts mit den Ideologien der Eurokraten zu tun hat.

Weiterhin behauptet er, dass die europäische Einigung das Vehikel sei um eine Weltregierung zu errichten.

Janich wehrt sich dagegen, dass er ein Verschwörungstheoretiker sei, mit dem Argument, alle seine Behauptungen seien durch mehr oder weniger seriöse Quellen belegt. Tatsächlich vermittelt der umfangreiche Fussnotenapparat  den Eindruck sauberer Recherchen.

Das Problem ist nur, dass viele Zitate, die in eine Richtung weisen, kein Beweis dafür sind, dass tatsächlich ein innerer Zusammenhang zwischen bestimmten Ideen und Fakten besteht. Nur weil  viele Politiker in irgendeiner losen Form eine Verbindung zu Freimaurern haben, heisst es noch lange nicht, dass sie nach einem Drehbuch der Freimaurer arbeiten.  Selbst Janich gibt ja zu, dass es sich bei den Bilderbergertreffen wohl eher nur um informelle Instrumente von Machtgestaltung und nicht um tatsächliche Instrumente der Machtgestaltung handelt. Es werden vermutlich Ideen ausgetauscht, die auch im ein oder anderen Fall politische Konsequenzen haben können.

Dr. Volker Gallandi kritisiert ausserdem, dass ein für die Argumentation des Buches zentrales Zitat von David Rockefeller in der zitierten Quelle gar nicht auffindbar ist.

http://www.pt-magazin.de/wirtschaft/finanzen/artikel/zwei-varianten-makrooekonomie-201416185

Janich bleibt die Antwort schuldig, was die Motive jener inneren Machtzirkel sein sollen, die angeblich eine Weltherrschaft anstreben.  Im Regelfall dürften auch die mächtigsten und reichsten Menschen dieser Welt immer auch Partikularinteressen haben, die darin bestehen, dass sie ihre Macht und ihren Reichtum bewahren und gegebenenfalls auch vermehren möchten. Darin sind sie aber in vielen Fällen zwangläufig Konkurrenten untereinander. Wenn man nicht an Esoterik und Okkultismus glaubt, dann fehlt eben das Motiv für einen inneren geheimen Machtzirkel, der die Weltherrschaft anstrebt.

Und da bin ich an dem Punkt zu hinterfragen, welche Ideen Oliver Janich sonst noch vertritt. Erst nach dem Kauf des Buches habe ich bemerkt, dass Oliver Janich Gründungsmitglied der sogenannten „Partei der Vernunft“ ist. Auch wenn sich die Partei so nennt heisst dies nicht, die Vertreter dieser Partei auch mit besonderer Vernunft gesegnet seien.

Sie gehen von der Auffassung aus, dass der Staat weitestgehendst unnötig ist.  Wenn man diese Auffassung als eine extreme Spielform des Liberalismus vielleicht noch vertreten kann, so zeigt die Behauptung, der menschengemachte Klimawandel, sei eine verschwörerische Erfindung einzelner Gruppen einen Bewusstseinszustand den man als mittelalterlich bezeichnen könnte.

Was meiner Ansicht nach die Parteigänger der Vernunft auszeichnet, ist die panische Angst, irgendjemand könne ihnen irgendetwas wegnehmen. Deshalb wird jegliche Art von kollektiven sozialen Beziehungen auf Verschwörungen zurückgeführt. Dies ist der eigentlich ideologische Hintergrund dieses Buches.

Wer so etwas behauptet, hat einfach ein Bildungsdefizit. Beim nächsten Mal bevor ich ein Buch kaufe, werfe ich erst einmal „Google“ über den Autor an.

Wer seriös etwas neues erfahren will, dem empfehle ich das Buch nicht. Ausser einigen zusammengesammelten Zitaten ohne nachgewiesenen Zusammenhang wird nicht viel geboten. Aber möglicherweise sind die Freimaurer, über die man naturgemäss nichts genaues weis, ein vorzüglicher Ansatzpunkt für Verschwörungstheorien. Und solche dürften sich in gewissen Kreisen gut verkaufen.

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Oliver Janich, Die Vereinigten Staaten von Europa

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