Die Zusammenarbeit zwischen Medien und Politik: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm“

Bis zur letzten Woche durfte man die Grundposition der meisten Zeitungen und öffentlich rechtlichen Sender überspitzt so zusammen fassen: „Wer gegen eine ungeregelte Zuwanderung ist, ist ein Rassist.“ Wer sich als Leser so mancher Zeitung gegen die Meinung der Journalisten richtete wurde häufig einfach zensiert. Die FAZ und der Spiegel behaupteten, dass so viele „Hassbotschaften“ von Leserseite gekommen wären, dass Ihnen nichts anderes übrig bliebe, als die Kommentarfunktion zu deaktivieren. Dass dies die Wahrheit war, dürfte wahrscheinlich jeder bezweifeln, der schon mehrmals versucht hat, der Regierungslinie, der gerade die Journalisten von FAZ und Spiegel in den letzten Jahren fast uneingeschränkt vertreten haben, zu widersprechen. Eher dürfte es darum gegangen sein, die Kluft zwischen der Position der Journalisten und der Position ihrer Leser zu verdecken.
Die Tageszeitung die Welt gehörte zu den ersten der grossen Tageszeitungen, die sich in einzelnen Artikeln von der Regierungslinie absetzte. Die Kanzlerin blieb jedoch bis heute sakrosankt. Eine Kritik fand praktisch allenfalls indirekt statt. Dies ist auch nicht weiter erstaunlich, wenn man weiss, dass die Eigentümerin des Axel Springer Verlages und die Kanzlerin Angela Merkel befreundet sind.
Im selben Moment, wo die Umfragen katastrophale Verluste für die CDU aber noch grössere Verluste für die SPD voraussagen, ändert sich plötzlich die politische Stimmung. Immer mehr Politiker grenzen sich von der Politik der Kanzlerin ab.
Interessant ist nun die Reaktion der Journalisten. Während der Spiegel, bei dem die meisten Journalisten wohl der SPD nahe stehen, einfach kommentarlos die Sachlage beschreiben, was sollten Sie auch tun, wenn die Politiker der SPD plötzlich die Journalisten und die Politiker der CDU rechts zu überholen versuchen, wird etwa in der Welt immer noch versucht, die Kanzlerin zu schützen.
Der stellvertretende Chefredakteur der Welt Ulf Poschardt lieferte gestern dazu ein geradezu beispielloses journalistisches Machwerk ab. Unter der Überschrift „Einfach kann jeder – Merkel schafft es kompliziert“ schreibt Poschardt fast selbstironisch die Kanzlerin sei fast alternativlos, weil nur sie in der Lage sei der ungeheuer komplexen Situation Herr zu werden. Da kann man nur Kim Jong-un empfehlen, der ja dank seines Schulbesuches in der Schweiz genügend deutsch verstehen sollte, anhand führender deutscher Medien rasch zu studieren, wie gute Regierungspropaganda geht.
Interessanter als der Artikel von Porschardt selbst, sind die Reaktionen der Leser.Im Gegensatz zur sonstigen Tendenz, wurden anscheinend nicht die primitiven pöbelnden Kommentare durchgelassen und die pointierten zensiert, sondern es geschah diesmal scheinbar genau umgekehrt.
Der Leser Strigoi schrieb:
Merkel wird 2017 wiedergewählt. Daran habe ich keinen Zweifel. Sie ist und bleibt alternativlos.“
Offensichtlich glaubte der Leser „Strigoi“, dass nach dem Vorbild Chinas nur ein fatalistisch ironischer Kommentar die Zensur der Welt-Moderatoren passieren könne. Was Strigoi hier verdeckt ausdrückte, sprach offener aus und kam wohl zu seiner eigenen Überraschung damit durch:

„Ihre ständige, unkontrollierte Kritik an der AfD geht mir auf den Wecker. Jetzt hören sie doch mal auf den Propheten zu spielen und warten mal ab, wie der Wähler entscheidet. Der hat vielleicht mit seinem Bauchgefühl mehr mehr recht als Sie mit Ihrem Belehrungsanspruch. Mir kann auf jeden Fall Merkel gestohlen bleiben. Meinen Beitrag versenken Sie ja doch wieder im Papierkorb. Das ist Ihre Art von freier Meinungsäusserung.“

Denn das Ziel des Artikels von Herrn Porschardt dürfte ja wohl sein, den Lesern zu zeigen: egal was jetzt passiert wählt auf jeden Fall nicht AfD sondern CDU. Denn diese hat nach der Meinung des stellvertretenden Chefredakteurs der Welt nur das Bauchgefühl und jene ausgerechnet in der Person von Frau Merkel den Verstand.

Dem entgegnet Leser Markus:

Es fehlt diesem Artikel völlig die argumentative Substanz. Es bleibt ein Appell an das Bauchgefühl. „So einfach ist es nicht“. Dass die AfD z.B. Prof. Dr. Meuthen klare und komplexe Argumente vorträgt, wird hier nicht zur Kenntnis genommen.

Den kollektiven Wahnsin der öffentlichen Diskussion, kann man eigentlich nur noch satirisch beschreiben, wie es die Leser

„Wenn bei mir zu Hause die Waschmaschine kaputt geht, drehe ich erst mal den Hahn zu. Dann gehe ich zum Telefon und rufe den Handwerker.“

„viel zu einfach gedacht. Sie müssen das Wasser laufen lassen, den Mietern unter Ihnen sagen sie: Wir schaffen das. Wenn die das nicht glauben, dann werfen sie ihnen vor H2Ophob zu sein und sich billiger Polemik und Hetze zu bedienen. Wenn sie dann immernoch nicht überzeugt sind, zeigen sie ihnen diesen herausragenden Artikel.“

„Dieser Artikel schwitzt den elitären, überheblichen Dünkel der Polit- und Journalistenklasse aus jeder Zeile. Ganz besonderers hat mir der erstaunlich ehrliche Satz „In Krisenzeiten haben Demagogen Konjunktur, umso wichtiger ist es, dass sich die Verantwortungseliten in Politik, Wirtschaft und Medien (hört, hört!) den Differenzierungsansprüchen der Flüchtlingsproblematik stellen.“
Ihr haltet Euch echt für die Allergrößten. Und natürlich ist es Eurer überragenden Intelligenz und Euren ungeheuren Differenzierungsansprüchen geschuldet, dass Ihr „Eliten“ seit Jahren nicht richtig gebacken kriegt sondern immer nur Merkels „Der Wirtschaft alles, dem Rest nix!“ – Credo sklavisch folgt und beklatscht.“

Dieses Statement macht klar, dass es seit Jahren eine unheilige Allianz zwischen Politik und Medien gibt, bei denen die einen das zu bezahlen haben, was die anderen als „alternativlos“ verkaufen, wobei aber erstere selbst davon in erster Linie nur Nachteile haben.

Wem diese zum Teil lustigen, zum Teil pointierten und sarkastischen Kommentare noch nicht reichen sei auf die Originalseite verwiesen, solange diese noch nicht gelöscht wurden.
Sicherlich ist

„Am besten Ausdrucken diesen Artikel. Das glaubt einem bald keiner mehr und online wird er nicht zu finden sein.“

und deshalb habe ich neben dem Artikel zur Sicherheit auch alle Kommentare ausgedruckt.

Wer es ganz kurz will, für den ist durch den Kommentar von eigentlich alles gesagt:

„Wenn die „Alternativlosigkeit“ die Lösung sein sollte, hätte ich gerne mein Problem zurück.“

Quelle:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article151072834/Einfach-kann-jeder-Merkel-schafft-es-kompliziert.html

 

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